Solothurn

Gründung 1948
Präsident Konrad Imbach
Website www.bwso.ch

Bürgergemeinden und Waldeigentümer Verband Kanton Solothurn

Bürgergemeinden und Waldeigentümer unter einem Dach – das ist einzigartig in der Schweiz. Schade eigentlich. Der Bürgergemeinden und Waldeigentümer Verband Kanton Solothurn (BWSo) ist überzeugt, dass dies auch für andere Kantone mit ähnlichen Voraussetzungen ein Erfolgsmodell sein könnte.
Uralt ist es nicht, das gemeinsame Auftreten von Bürgergemeinden und Waldeigentümern in einem Verband im Kanton Solothurn. Die Funktion eines kantonalen Waldwirtschaftsverbands übernahm der Verband der Solothurner Bürgergemeinden erst vor gut 18 Jahren – knapp 50 Jahre nach seiner Gründung. Damals waren die Waldeigentümer nur regional organisiert und strebten einen kantonalen Waldwirtschaftsverband an, um politisch mehr Gewicht zu bekommen. In den Diskussionen zur Gründung des neuen Verbands entstand die Idee, den bisherigen Verband der Bürgergemeinden zu öffnen und um die Wald-Belange zu erweitern. Die Vorteile, die sich seither aus personeller, administrativer und fachlicher Hinsicht daraus ergeben, sind offensichtlich. Bürgergemeinden und Einheitsgemeinden sind Eigentümer von rund drei Viertel des Solothurner Waldes. Die Waldbewirtschaftung war also schon immer eine Aufgabe der Solothurner Bürgergemeinden. Nachdem die Bürgergemeinden in den 90er Jahren von der Sozialhilfe entbunden wurden, nahm die Bedeutung des Waldes für sie schwerpunktmässig sogar zu.

Erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit
Wald ist für unsere Gesellschaft stark emotional behaftet und daher geeignet, um in der breiten Öffentlichkeit auf die vielseitigen Leistungen der Bürgergemeinden aufmerksam zu machen. Gerade erst letztes Jahr nutzte dies der BWSo als Hauptinitiant und Teil der Trägerschaft der ersten Solothurner Waldtage. Am ersten Septemberwochenende 2014 lockten diese rund 20‘000 Besucher und sogar den Gesamtregierungsrat in den Bornwald in Olten. Auf einem Themenrundweg erfuhren die Besucher an über 50 Posten allerlei Wissenswertes aus der Welt des Waldes, aber auch über die verschiedenen Aktivitäten der Bürgergemeinden. Unzählige Attraktionen wie der Auftritt der Holzhauerei-Nationalmannschaft, ein Seilpark, ein Kinderspielplatz oder satirische Waldführungen rundeten den Anlass ab. Unvergesslich bleibt auch das Angebot für Schulklassen, das während vier Tagen rund 4000 Schulkindern den Wald näher brachte. Der Anlass verschaffte den Bürgergemeinden und Waldeigentümern grosse Medienpräsenz sowie Aufmerksamkeit und Respekt in der Bevölkerung. Es soll nicht der letzte Anlass dieser Art gewesen sein. Bereits 2004 konnte der BWSo mit seiner Sonderausstellung Wald und Holz an der Herbstmesse Solothurn (HESO) einen Grosserfolg beim Publikum feiern.
Nicht immer tritt der BWSo auf so grosser Bühne auf. Genauso wertvoll ist das politische Lobbying. So bringt der Vorstand Anliegen seiner Mitglieder sowie verbandsspezifische Themen bei der jährlichen Aussprache mit dem Regierungsrat vor. Und auch für die Legislative hat der BWSo in den letzten Jahren einen Anlass aufgebaut: Das Parlamentarier-Zmorge erfreut sich bei den Kantonsräten grosser Beliebtheit und ist innert Kürze zur Tradition geworden. In ungezwungener Atmosphäre bringt der BWSo seine Anliegen ein und kann wertvolle Kontakte knüpfen. Diese Kontakte kommen ihm zugute, wenn es darum geht, auf politischer Ebene aktiv zu werden. So konnte der BWSo vor fünf Jahren den Volksauftrag „für wirklich demokratische Einbürgerungen“ abwenden, der die Bürgergemeinden zur Abgabe des Einbürgerungswesens an die Einwohnergemeinden gezwungen hätte. Mittels stichhaltigen Argumenten und gezielter Information der Kantonsräte konnte dies verhindert werden.
Die Kantonsräte und andere Entscheidungsträger aus Verwaltung und Politik erhalten zudem das viermal jährlich erscheinende BWSo Info. Dieses reichhaltige Verbandsorgan widmet sich jeweils einem Schwerpunktthema aus Bürgergemeinden oder Wald und informiert über laufende Geschäfte des BWSo.

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Für Wald…
Deren gibt es genug. Im Forstbereich wären dies beispielsweise die „Organisation der Arbeitswelt (OdA) Wald BL/BS/SO“. Der BWSo hat sich mit dem Waldwirtschaftsverband beider Basel zusammengeschlossen, seit er 2010 vom Kanton den forstlichen Ausbildungsbereich übernommen hat. Ziel der OdA Wald ist die Organisation und Betreuung der forstlichen Grundausbildung für Forstwarte. Sie überwacht die Ausbildungstätigkeit und koordiniert die Öffentlichkeitsarbeit der Forstberufe. Schon seit längerem gibt der BWSo zusammen mit dem kantonalen Forstpersonalverband Lohnempfehlungen für das Forstpersonal heraus. Daneben bietet der BWSo interessierten Waldeigentümern und Forstbetrieben eine Gruppenzertifizierung nach FSC an – eine sehr effiziente Art der Zertifizierung, da so für die einzelnen Waldeigentümer weniger administrative Arbeiten anfallen. Zudem beobachtet die Holzmarktgruppe des BWSo die Entwicklungen auf dem Holzmarkt und unterstützt die Holzproduzenten durch periodisch herausgegebene Preisempfehlungen. Und nicht zuletzt ist die Geschäftsstelle als regionale Organisation von Holzenergie Schweiz Anlaufstelle für Informationen zur Holzenergie.
Eine weitere Arbeitsgruppe – unlängst integriert in den BWSo – ist die Pro Holz Solothurn, die als regionale Arbeitsgemeinschaft der LIGNUM Holzwirtschaft Schweiz fungiert. Pro Holz Solothurn organisiert dieses Jahr beispielsweise den kantonalen Preis „Holz – SO stark!“, der besondere Holzbauten prämiert. Daneben macht sie mit Feierabendveranstaltungen Werbung für Schweizer Holz und gibt das jährliche Holzbulletin heraus, in dem Holzbauer, Ingenieure und Architekten Holzbauten aus dem Kanton präsentieren.

...und Bürger
Einer der Schwerpunkte des Verbands ist aber natürlich das Einbürgerungswesen. Der BWSo berät seine Mitglieder bei Fragen und vertritt ihre Interessen auf politischer Ebene. Er arbeitet dabei eng mit dem kantonalen Amt für Gemeinden zusammen, mit dem er schon verschiedene Dokumente herausgegeben hat, die die Mitglieder bei den Einbürgerungsverfahren unterstützen.
Generell sind Hilfsmittel und Instrumente, die die Bürgergemeinden bei der täglichen Arbeit unterstützen, ein grosses Anliegen des BWSo. So hat eine Arbeitsgruppe Muster-Pachtreglemente und eine Checkliste für die Verpachtung ausgearbeitet. Die Checkliste begleitet die Bürgergemeinde durch den gesamten Prozess der Reglementerstellung, listet Grundlagen auf und thematisiert Pachtreglemente, -Verträge und -zinse. Die Dokumente stehen auf der Verbandswebsite zur Verfügung. Gleiches gilt für die Musterpersonalreglemente und die Musterstatuten möglicher Organisationsformen für Forstbetriebe – seien es Zweckverbände oder öffentlich-rechtliche (Dienstleistungs-)Unternehmen – oder für den Leitfaden Submissionen. Oft arbeitet der BWSo dabei zusammen mit den jeweiligen kantonalen Ämtern oder dem Verband Solothurner Einwohnergemeinden, der auch im BWSo-Vorstand vertreten ist. Ebenso ist ein Mitglied des BWSo-Vorstands Vorstandsmitglied des Einwohnergemeinden-Verbandes. Eine gute Zusammenarbeit mit den entsprechenden Stellen hat sich schon oft bewährt.
Intensiv waren die Kontakte auch beim Thema Gemeindefusionen – einer für Bürgergemeinden existenziellen Frage. Im Kanton Solothurn gibt es schon einige Einheitsgemeinden – Fusionen aus Einwohner- und Bürgergemeinden – und der Fusionsdruck auf Einwohnergemeinden nimmt zu. Dabei gehen die Bürgergemeinden in der Planungsphase oft vergessen. Oberziel des BWSo ist es jedoch, die Institution Bürgergemeinde zu erhalten. In Workshops – unter anderem an der 2012 einberufenen Landsgemeinde für Bürgergemeinden – hat sich der Verband dieser Problematik angenommen, Stärken und Schwächen von Bürgergemeinden analysiert und Entscheidungsgrundlagen bereit gestellt.

Hilfsmittel für die Zukunft
Wie auch die Checkliste „Zukunft der Bürgergemeinde (Eigenanalyse Bürgergemeinde)“ zeigt, sollen die bereitgestellten Instrumente dafür sorgen, dass die Bürgergemeinden auch in Zukunft stark positioniert sind. Sie stehen auf der Verbandswebsite zur Verfügung und werden oft an Informationsveranstaltungen und Erfahrungstagungen eingeführt, an denen der BWSo jährlich aktuelle Themen aufgreift. Neben den Schwerpunktthemen wie Einbürgerungswesen oder Waldbewirtschaftung war dies beispielsweise ein Kurs zur finanziellen Führung von Bürgergemeinden. Für neue Behördenmitglieder bietet der BWSo periodisch ebenfalls Kurse an. Weitere Veranstaltungen organisieren die regionalen Bürgergemeinden und Waldeigentümerverbände. Diese sind ebenfalls Mitglied des BWSo und wählen zusammen mit den anderen Mitgliedern an der jährlichen Generalversammlung den Vorstand. Der Vorstand seinerseits ist unter anderem für die strategischen Ziele zuständig und wählt den fünfköpfigen Leitenden Ausschuss, der sich um die einzelnen Ressorts kümmert, sowie die Geschäftsführung. Diese wird seit der Gründung des BWSo im Jahr 1997 durch Geri Kaufmann wahrgenommen. Heute verfügt der Verband nicht mehr nur über einen Geschäftsführer, sondern mit dem Forstingenieurbüro Kaufmann+Bader über eine Geschäftsstelle, in der die Aufgaben stufengerecht erledigt werden können.

Der BWSo – ein Modell für andere Kantone?
Dass der BWSo und damit die Bürgergemeinden und Waldeigentümer auch in Zukunft auf dem richtigen Weg sind, soll mit periodischen Zukunftsworkshops erreicht werden. Der BWSo ist überzeugt von seinem Modell. Und er ist überzeugt davon, dass in anderen Kantonen, die ähnliche Grundvoraussetzungen haben – nämlich Bürgergemeinden, die mehrheitlich Waldeigentümer sind –, dies durchaus auch zum Erfolgsmodell werden könnte.