Generalversammlung 2004 in Locarno

INHALTSVERZEICHNIS

 

   
Programm Grussadresse des Präsidenten
Bilder
Foto di Luigi Pedrazzini Consigliere di Stato Rede von Hrn. Staatsrat L. Pedrazzini

 

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Generalversammlung des Schweizerischen Verbandes der Bürgergemeinden und Korporationen vom 14. Mai 2004 in Locarno

 

Präsidialadresse

 

Meine Damen und Herren

 

 

Landauf landab wird – mit unterschiedlichem Erfolg - versucht, mit rigorosen Sparübungen die öffentlichen Haushalte ins Lot zu bringen. Allerdings wird dabei - aus meiner Sicht - manchmal zu wenig beachtet, dass, wenn bei an sich unaufschiebbaren Investitionen kurzerhand lineare Abstriche gemacht werden, solche Ausgaben  nicht vermieden sondern bloß aufgeschoben werden. Anderseits werden zu oft die Folgekosten - nicht nur aus Investitionsvorhaben - zu wenig bedacht. Bedauerlicherweise kommt es auch zuweilen vor, dass Sparen zum Selbstzweck mutiert und „man“ das eigentliche Sparziel aus den Augen verloren hat. (Auch im privaten Bereich sparen wir schließlich, damit wir uns aus dem Ersparten etwas leisten oder zumindest Schulden abtragen können, und nicht einfach, damit gespart ist.) Ein solches Sparziel ist sicher, dass die heutige Generation nicht Ausgaben zulasten künftiger Generationen beschließen darf. Ein vernünftiges Sparziel kann indessen nicht erreicht werden, wenn man den Rotstift unbedacht, insbesondere auf sozialem oder kulturellem Gebiet, ansetzt. Was ebenfalls nicht angeht, ist, Verpflichtungen still und heimlich auf andere Ebenen zu delegieren, wie das in letzter Zeit der Bund immer wieder zulasten der Kantone und - noch lieber zulasten der Kommunen - zu tun versucht. Als Lokalpolitiker, als Lokalpolitikerin muss man hier besonders auf der Hut sein.

 

Anderseits wird in solchen Diskussionen fast immer übersehen, wie viel bereits heute schon ohne grosses Aufheben eingespart wird, durch Freiwilligenarbeit nämlich. Die äusserst kostengünstigen Strukturen der Bürgergemeinden und Korporationen sind dafür ein in der Öffentlichkeit viel zu wenig bekanntes Beispiel. Wer sich bewusst macht, was ein Mitglied eines Bürgerrates oder einer burgerlichen Kommission tagtäglich im öffentlichen Interesse leistet, statt seinem Beruf nachzugehen oder gar dem schnöden Mammon nachzujagen oder auch, anstatt die wohlverdiente Freizeit zu genießen, und wer dagegen sieht, wie diese oft aufopfernde Mühewaltung in der Regel entschädigt ist, wird mir zustimmen, dass mit den dafür üblichen, bescheidenen Entschädigungen nicht einmal der im Wort steckende „Schaden“ abgegolten wird.

Sofort wird bei einer solchen Argumentation allerdings ins Feld geführt, es handle sich ja um ein „Ehrenamt“. Das stimmt natürlich; aber auch politische Arbeit hat ihren Marktwert und sie müsste korrekterweise einen ebenso angemessenen Preis haben. Die ausgerichteten Gelder als Honorare, abgeleitet aus der lateinischen Vokabel „honor“ für „Ehre“, zu bezeichnen, klingt beinahe zynisch. Dasselbe gilt natürlich für den oftmals schier unermüdlichen Einsatz im Vorstand eines Kantonalverbandes oder – das darf auch einmal gesagt sein – im Dachverband der schweizerischen Bürgergemeinden und Korporationen. Gewiss, alle machen diese Arbeit an sich gerne, und das Gelingen dieses Tuns ist der wohl schönste Lohn. Selbstverständlich ist das so. Aber, es wäre schon sehr erfreulich, wenn auch außerhalb der kommunalen Gremien einmal zur Kenntnis genommen würde, was hier alles zum Wohle der Allgemeinheit beinahe zum Nulltarif geleistet wird

 

Verstehen sie mich nicht falsch: ich jammere hier nicht über eine ungenügende Abgeltung für qualifiziertes Wirken. Mir geht es vielmehr darum, einmal unter dem Aspekt der Kostenklarheit darauf hinzuweisen, dass mit den Bürgergemeinden und Korporationen nicht nur fachkundige sowie engagierte sondern eben auch kostengünstige Fachleute am Werk sind.

 

Immerhin, meine Damen und Herren Delegierte: wenn Sie heute, teilweise zusammen mit Ihren politischen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, teilweise begleitet von Ihren Partnerinnen und Partnern, welche ohnehin immer wieder wegen Ihrer Aktivitäten in den Bürgergemeinden und Korporationen hintanstehen müssen, in die Sonnenstube der Schweiz gereist sind, um zwei vorwiegend genussreiche Tage in frohem Kreis zu verbringen, so soll dieser Aufenthalt auch ein klein wenig entschädigen für all Ihren Einsatz zum Wohle Ihrer Bürgergemeinde, Ihrer Korporation oder Ihres Verbands und damit zum Gedeihen unserer aus vielgestaltigen kommunalen Zellen zusammengesetzten Schweiz. Nehmen Sie diesen Dank für Ihr uneigennütziges Wirken für die Öffentlichkeit an und genießen Sie darum „ohne schlechtes Gewissen“ unser Treffen im Tessin.

 

 

 

                                                                                  Dr. Rudolf Grüninger, Basel

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